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Die Tierethik ist für moderne Ethiken (Utilitarismus, Deontologie) ein großes Problem. Mehr oder weniger schnell ist man sich darüber einig, ob man Tiere quälen darf. Doch wie soll man das begründen. Dies wird aufgrund der philosophischen Konstruktion der meisten Tierethiken schon allein deshalb ein Problem, weil man unter Tierethik nicht nur die Ethik einer auf Tierindividuen bezogenen Moral verstehen darf. Auch Tierarten, Artenvielfalt und Ökosysteme sind wichtige Probleme einer Tierethik. Hier versagen die meisten Tierethiken. In meinen hier bereit gestellten Texten versuche ich kontinuierlich eine Tierethik zu entwickeln, die tiermoralischen Problemen so gerecht werden kann, dass man sie als Aspekte einer umfassenderen Ethik für die ganze Welt deuten kann. Alles in der Welt kann direkt moralisch relevant sein und diese Tatsache kann man philosophisch rekonstruieren und verstehen.

Weitere Informationen und Texte finden Sie auf meiner Homepage: andreasvieth.de

Materialien zur Tierethik und Tiermoral

Die hier vorliegende Einführung widmet sich der Angewanten Ethik sowohl theoretisch als auch praktisch. Die Figur der ‚Anwendung‘ von Ethik ist theoretisch sehr interessant, da die Ethik zur ‚Praktischen Philosophie‘ gehört. Soll die Angewandte Ethik etwa praktische Praktische Philosophie sein? Ebenso lehrreich sind Überlegungen zur Frage: Wer ist eigentlich ethischer Experte? Der Philosoph? Der Arzt? Sodann vermittelt die Abfolge der Kapitel (Medizinethik, Tierethik, Umweltethik) eine Vorstellung für die Probleme der philosophischen Ethik selbst. Denn die moderne Ethik ist personzentriert: Sie beschäftigt sich mit der Moral für Individuen und Handlungen. Bei Tieren hat man es oft nicht mit Personen zu tun und Tierarten sind keine Individuen im Sinne von Organismen. Ganz zu schweigen von der Umwelt: Ökosysteme können von keiner modernen Ethik sinnvoll als Gegenstände von eigener moralischer Relevanz reflektiert werden. Neben der Theorie der Angewandten Ethik liefert das Buch auch Einsicht in Themenfelder von besonderer Signifikanz für die Diskussionsfelder der Angewandten Ethik (Arztethos, Gesundheit, Embryonen, Organtransplantation, Euthanasie, Xenotransplantation, Speziesismus).

[Das Buch steht hier demnächst auch als Download zur Verfügung.]

Eine Sammlung von Antworten auf die Frage wäre informativ und sehr vielfältig. Sie wäre nicht unbedingt ein philosophisches Unterfangen. Präziser kann man das Anliegen des Textes als Frage nach der Moral der Instrumentalisierung von Tieren verstehen. Hier gibt es mehr oder weniger weit gehende Kritik von Seiten egalitaristischer Tierethiker. Für sie ist die Idee der Mensch-Tier-Égalité plausibel. Der Mainstream unserer Kultur hält die These für unplausibel. Der hier bereit gestellte Text möchte dem Mainstream Recht geben. Damit ist jedoch nicht gesagt, dass egalitaristische Tierethiker falsch liegen. Es sollen zwei Punkte stark gemacht werden: Der eine ist die Verteidigung des Mainstreams und somit eine Kritik des Speziesismusvorwurfs in der Tierethik. Diese Argumnetationslinie sollt primär zu einem besseren Verständnis des Vorwurfs beitragen. Der andere ist, dass man mit egal welcher Tierethik auch immer, am Besten fährt, wenn man die direkte moralische Relevanz von Tieren, Menschen, ... als Einordnung der Dinge der Welt auf die „Stufen“ der scala naturae konzipiert. Tierethische Egalitaristen wollen Tiere gleichwertig behandeln (Speziesismus ist wie Sexismus oder Rassismus) und das bedeutet, dass sie in der Welt Menschen und Tiere normative beieinander sehen. Der Mainstream sieht Menschen und Tiere als direkt moralisch relevant an, sieht sie aber nicht beieinander, sondern durch eine geltungstheoretische Trennlinie prinzipiell separiert. In diesem Sinne bringt die Tierethik die verpönte Idee der scala naturae wieder aufs Tapet. In Bezug auf den einen Punkt ist das Fazit, dass nicht-menschliche Tiere noch nicht als gleichwertig angesehen werden dürfen. Ändert sich aber der Mainstream in eine egalitaristische Richtung, würden Tiere zu „Menschen“. In Bezug auf den anderen Punkt ist das Fazit, dass eine philosophische Ethik Treppenstufen unterschiedlicher Geltungskonzepte benötigt, um der Vielfalt der moralischen Fragen unserer Welt gerecht zu werden.

Der Text enthält systematische Überlegungen zum moralischen Status von Tieren, Lebewesen und der Natur insgesamt. Er hat die Form eines Handbuchartikels. Ausgehend von der Frage, was ein moralischer Status ist, wird gezeigt, wie man unterschiedliche Positionen in diesen Fragen konzipieren und begründen kann. Generell ist es ein Problem in der Philosophie, dass durch eine unreflektierte (und daher nicht alternativlose) Verengung des Bereichs des moralisch Relevanten z. B. Tierethiken vertreten werden, die keine vernünftige Position in der Umweltethik mehr erlauben. Dieser Artikel gibt hier in Form einer Landkarte theoretische Orientierung.

 

Wir alle stimmen darüber überein, dass Tierquälerei und Tötung von Tieren ein moralisches Problem sein kann. In der Ethik ist es äußerst problematisch diesen Intuitionen gerecht zu werden, weil moderne Ethik für den Menschen gemacht sind. Die Ausweitung des moralisch Relevanten hat gravierende Folgen. Die Folien gehen diesen Folgen nach. Es ist in der Tierethik üblich, seine persönliche Moral philosophisch als Ethik zu überhöhen, um anderen Vorschriften zu machen. Ausgehend von einer Ethik Kants, die Tieren (kontraintuitiv) keinen moralischen Wert zuerkennt, sollen die Wege der modernen Tierethik verfolgt werden. Die Ansätze von Ursula Wolf und Tom Regan dienen den metaethischen Überlegungen als Anregung. Letztlich soll jedoch gezeigt werden, dass diese Tierethiken unzureichend sind, weil sie systematisch nicht funktionieren. Eine kantische Tiermoral kann so rehabilitiert werden, gerade dadurch, dass man seine Ethik ablehnt. Denn in der Tat glaubt Immanuel Kant als Philosoph, dass Tiere keien moralischen Status haben, weil sie keine Pflichteinsicht haben. Diese haben nur Personen (wie beispielsweise Menschen) und deshalb haben nur Personen Pflichten gegenüber Personen. Das gehört zu seiner Ethik, seine Moral als Mensch wird dadurch nicht diskreditiert. Mit der modernen Tierethik sollen also im Vortrag direkte Pflichten gegenüber Tieren begründet werden, aber gegen die moderne Tierethik soll gezeigt werden, dass diese Pflichten nicht egalitaristisch gedeutet werden können.

Woher kommen die kategorisierenden Prinzipien, von denen unsere Vorstellungen über die Struktur der Natur und insbesondere der Mensch-Tier-Verhältnisse abhängen? Ein Teil einer Antwort wird in diesem Beitrag vorgestellt. Ausgehend von der Betrachtung eines Fotos des südafrikanischen Künstlers Pieter Hugo soll gezeigt werden, wie vieldeutig, vielschichtig und widersprüchlich das Mensch-Tier-Verhältnis ist. Man versteht das Foto nicht, wenn man nicht eine multivalente Moral der Mensch-Tier-Verhältnisse für es als konstitutiv ansieht. Ein Teil dieser Komplexität ist der tierethische Inegalitarismus, der in vielen Kulturen präsent ist und von Tierethikern oft als speziesistisch kritisiert wird. Man versteht die konstitutive Moral einer Kultur, wenn man sich am Konzept der Charaktermaske bei Karl Marx orientiert und es kreativ weiterentwickelt (1). Zunächst soll die Lehnquelle dieses Wortes aus der Bühnenwelt beleuchtet werden. Diesbezüglich sind verschiedene Dinge unbrauchbar: Charaktermasken in Marxens Sinne sind involuntative Personmerkmale (man setzt sie sich nicht auf) und man betritt mit ihnen nicht die Bühne des Theaters im Gegensatz zur Welt. Es ist auch fraglich, was es heißt, mit einer Rolle zu verschmelzen (2). Anschließend wird das Konzept im Oeuvre von Marx untersucht. Er hat nie ausführlich ein Konzept der Charaktermaske oder der Verdinglichung entwickelt. Dennoch kann man im Durchlauf durch Fundstellen ein klares Bild zeichnen: Kontingente Verhältnisse der menschlichen und kulturellen Verhältnisse heften den Individuen im Sinne einer kausalen Wirkung Charaktermasken an, weil sie verdinglichte Vorstellungs- und Handlungswelten darstellen (3). Diese Skizze kann auf die Mensch-Tier-Verhältnisse übertragen werden: Menschen, Tiere und Umwelt bilden eine gelebte und moralisch bedeutsame Realität. Sie ist eine Vorstellungswelt, für die ein vieldeutiges, vielschichtiges und widersprüchliches Geflecht an moralischen Kategorien Menschen, Tiere und Umwelt funktionieren macht. Und deshalb interagieren sie auf charakteristische Weise (4). In diesem Kontext kritisieren tierethische Egalitaristen die inegalitaristischen Grundstrukturen dieser Charaktermasken. Sie beruhen auf kategorisierenden Prinzipien, die ihnen als speziesistisch gelten. Ihre Philosophie ist ihre Mission der Welt im Dienste neuer Werte. Es wird gezeigt, dass der Vorwurf des Speziesismus ein unseriöses Hebelargument ist (der Mensch-Tier-Egalitarismus soll in unsere Realität gehebelt werden). Dieses Argument versteht die Moral der Welt strategisch falsch. Dieses Argument beruht auf falschen Annahmen über die Entwicklungsgesetze des Wertewandels. Zwei Thesen begründen diese Kritik: Zum einen sind die Wertverhältnisse (oder Systeme von Werthaltungen) nicht durch Wertentscheidungen zu erschüttern, zum anderen sind sie nicht grundsätzlich begründungsbedürftig. Sie wollen behutsam verstanden werden und in ihnen können radikale Umschwünge allmählich anziehend wirken.

[Den Vortrag finden Sie hier.]

Die Folien sind unter dem Bild verlinkt.

Ziel ist es, in einer umfangreichen Untersuchung dem Speziesismusvorwurf tierethischer Egalitaristen nachzugehen. Tierethische Egalitaristen behaupten, dass wir Tiere als gleichwertig im Sinne der Égalité-Forderung unseres Menschenrechtsverständnisses behandeln sollten. Sie müssen also argumentativ belegen, dass das Mensch-Tier-Verhältnis in vielen Aspekten speziesistisch ist. Es geht demnach im Sinne der Égalité um eine analogisierende Konzeption der Tiermoral zu Sexismus- und Raissismusvorwürfen. Diese Analogie ist zum ersten Mal von Peter Singer in wenigen Zeilen postuliert worden. Bisher gibt es nur wenig Analysen der Funktionsweise des Speziesismusvorwurfs.

[dieser Text steht hier noch nicht zur Verfügung.]

Die Simpsons sind eine intellektuell und philosophisch anspruchsvolle Fernsehserie, deren Staffeln immer wieder Folgen mit höchster konzeptioneller Präzision präsentieren. Das ist in tierethischen Fragen der Fall. Anhand einer Folge (Lisa als Vegetarierin, 5.7) soll in diesem Projekt eine simpsonische Tierethik entwickelt werden. In dieser Untersuchung folgt die Darstellung einerseits den philosophiegeschichtlichen Anspielungen in  der Dramaturgie andererseits wird gezeigt, wie verantwortungsvoll eine egalitaristische Tierethik sein könnte, wenn sie bereit wäre, ihren ideologischen Charakter (vgl. Peter Singer oder Tom Regan) aufzugeben. Lisa lässt uns hoffen!

[Dieser Text steht hier noch nicht zur Verfügung.]